Seit seinem Abschied vom FC Bayern München ist es ungewöhnlich still um Leon Goretzka geworden. Der 31-Jährige ist derzeit vereinslos – zum ersten Mal in seiner gesamten Profikarriere. Während im Sommer noch europäische Topklubs mit dem Mittelfeldspieler in Verbindung gebracht wurden, bleibt ein konkretes Angebot bislang aus. Transferexperte Gianluca Di Marzio bringt nun einen Wechsel in die Süper Lig ins Spiel.
Eineinhalb Wochen vor Ende der Transferperiode wächst der Druck auf Goretzka und sein Beraterteam. Was zunächst wie ein luxuriöses Problem aussah – die Qual der Wahl unter mehreren Interessenten – hat sich zu einer echten Hängepartie entwickelt, die selbst erfahrene Branchenkenner überrascht.
Die aktuelle Situation um Leon Goretzka
Nach seinem Abschied aus München im Sommer war Goretzka zunächst mit einer ganzen Reihe namhafter Vereine in Verbindung gebracht worden. Berichten zufolge zeigten unter anderem der FC Barcelona, die SSC Neapel, Inter Mailand und sogar der FC Arsenal Interesse an den Diensten des gebürtigen Bochumers. Auch in der Serie A, speziell bei Juventus Turin und dem AC Mailand, wurde der 73-fache Nationalspieler gehandelt.
Doch Woche für Woche verstrich, ohne dass sich einer der Interessenten tatsächlich verbindlich äußerte. Ein Klub nach dem anderen soll sich mittlerweile gegen eine Verpflichtung entschieden haben. Di Marzio, der die Personalie seit Wochen genau verfolgt, äußerte sich gegenüber ‚Wettfreunde.de‘ unverblümt: Er würde es nicht überraschen, wenn Goretzka letztlich in die Türkei wechselt. Damit rückt eine Liga in den Fokus, die zuletzt für ihre Ausgabefreude bei ablösefreien Spielern bekannt geworden ist.
Warum das Interesse aus Italien abkühlt
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in der Serie A, die lange als wahrscheinlichstes neues Betätigungsfeld für Goretzka galt. Laut Di Marzio hat Juventus Turin seinen Fokus inzwischen auf andere Baustellen verlagert: Die Turiner priorisieren aktuell die Torwart- und die Innenverteidiger-Position. Zwar stehe Goretzka weiterhin auf der internen Liste der Alten Dame, doch müsse der Klub zunächst Spieler verkaufen, ehe neue Verpflichtungen überhaupt finanzierbar würden.
Auch der AC Mailand, ebenfalls mehrfach mit Goretzka in Verbindung gebracht, hat sich bislang nicht zu einem konkreten Angebot durchringen können. Di Marzio geht davon aus, dass am Ende ein türkischer Klub das Rennen macht – schlicht, weil dort finanziell deutlich großzügiger agiert wird, wenn es um ablösefreie Spieler geht. Die Süper Lig hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend als Sammelbecken für arrivierte europäische Profis etabliert, die auf dem Kontinent keinen für sie passenden Vertrag mehr finden.
Die Gehaltsforderungen als zentrales Hindernis
Ein entscheidender Faktor für die festgefahrene Situation dürften die finanziellen Vorstellungen auf Spielerseite sein. Medienberichten zufolge verlangt Goretzkas Berater ein Jahresgehalt von rund sieben Millionen Euro netto – zusätzlich soll ein Handgeld in einer Größenordnung von zehn Millionen Euro fällig werden. Für viele europäische Klubs, die ohnehin unter dem finanziellen Regelwerk von UEFA und nationalen Verbänden operieren, ist ein solches Gesamtpaket kaum darstellbar.
Selbst Di Marzio zeigt sich über die Verhandlungstaktik verwundert. Er betont, dass Goretzka zweifellos ein außergewöhnlicher Spieler sei und es eigentlich merkwürdig anmute, dass ein Profi seines Kalibers noch immer ohne Vertrag dastehe. Diese Einschätzung unterstreicht, wie ungewöhnlich die aktuelle Marktsituation für einen Spieler mit der Vita Goretzkas tatsächlich ist – immerhin war er über Jahre hinweg fester Bestandteil des deutschen Nationalteams und des FC Bayern München, mit dem er unter anderem das Triple 2020 gewann.
Mehrere Gesprächsrunden mit unterschiedlichen Vereinen sollen bereits stattgefunden haben, mehrere konkrete Offerten habe Goretzka jedoch abgelehnt. Ob diese Zurückhaltung auf realistische Markteinschätzung oder auf eine zu optimistische Selbsteinschätzung zurückzuführen ist, lässt sich von außen schwer beurteilen – Fakt ist jedoch, dass die Zahl der potenziellen Abnehmer mit jeder Woche kleiner wird.
Was passiert nach dem Transferschluss?
Sportlich brisant wird die Lage vor allem im Hinblick auf den anstehenden Deadline Day. Anders als vertraglich gebundene Spieler ist Goretzka als vereinsloser Profi nicht an die klassischen Transferfenster gebunden. Theoretisch kann er auch nach dem offiziellen Ende der Sommertransferperiode noch bei einem neuen Arbeitgeber unterschreiben. Das klingt zunächst nach einer komfortablen Ausgangslage, birgt jedoch ein erhebliches Risiko: Die meisten Klubs haben ihre Kaderplanung zu diesem Zeitpunkt längst abgeschlossen und ihr Budget anderweitig verplant.
Damit könnte sich das Zeitfenster für einen Wechsel zu einem europäischen Topklub faktisch schließen, noch bevor der Markt für Vereine außerhalb der klassischen Fenster – etwa in der Süper Lig oder in anderen Ligen mit abweichenden Transferperioden – überhaupt richtig in Schwung kommt. Sollte sich Goretzka tatsächlich für einen Wechsel in die Türkei entscheiden, wäre dies ein Novum für seine Karriere, die bislang ausschließlich in Deutschland stattfand – von seinen Anfängen beim VfL Bochum über den FC Schalke 04 bis hin zum FC Bayern München.
Für Beobachter der Bundesliga bleibt die Personalie auch deshalb spannend, weil Goretzkas Marktwert und sein sportliches Potenzial eigentlich für eine Rückkehr in eine der europäischen Topligen sprechen würden. Die kommenden Tage dürften zeigen, ob sich sein Berater doch noch zu Zugeständnissen bei den Gehaltsforderungen bereiterklärt – oder ob am Ende tatsächlich ein Klub aus der Süper Lig, etwa Besiktas Istanbul, als lachender Dritter hervorgeht und einen der prominentesten vereinslosen Profis Europas verpflichtet.

