Hoeneß rechnet mit dem DFB-Team scharf ab

Nate Abloe
6 Minuten Lesezeit
Uli Hoeneß

Der Ärger sitzt auch Monate nach dem blamablen WM-Aus noch tief: Uli Hoeneß hat seine Kritik am DFB-Team erneuert und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Beim SportBILD-Award in Hamburg, wo der Bayern-Ehrenpräsident selbst für sein Lebenswerk geehrt wurde, sprach er von einem „Betriebsausflug“ der Nationalmannschaft und forderte mehr Härte und Disziplin von der Mannschaft um Nachfolger Jürgen Klopp.

Hoeneß findet deutliche Worte über das DFB-Team

Auf die enttäuschende WM-Vorstellung der deutschen Nationalmannschaft angesprochen, wurde Hoeneß bei der Preisverleihung ungewohnt direkt. „Also, dass die deutsche Mannschaft da in Amerika einen Betriebsausflug gemacht hat, das wissen wir ja alle. Und das darf nicht mehr sein. Die müssen bereit sein, sich den Arsch aufzureißen“, sagte der 74-Jährige. Es sind Sätze, die zeigen, wie sehr ihn der Auftritt des DFB-Teams bei der Weltmeisterschaft in diesem Sommer bis heute beschäftigt.

Besonders hart ging Hoeneß mit der Rahmenorganisation rund um das Team ins Gericht. „Es kann nicht sein, dass da ein Familienausflug stattfindet mit Frau und Kindern“, so der Bayern-Patron weiter. Damit spielte er auf die Berichte an, wonach Spielerfamilien während des Turniers weitreichende Privilegien genossen und der sportliche Fokus dadurch gelitten haben soll. Für Hoeneß, der als FC-Bayern-Ehrenpräsident seit Jahrzehnten für Disziplin und Leistungsdenken im deutschen Fußball steht, ist ein solches Umfeld bei einem Großturnier nicht hinnehmbar.

Frühes WM-Aus und die Folgen für Nagelsmann

Der Hintergrund der Kritik ist die enttäuschende WM-Bilanz des DFB-Teams. Bereits im Sechzehntelfinale war für die deutsche Mannschaft gegen Paraguay Endstation – ein Ausscheiden, das in Deutschland für großes Entsetzen sorgte und weit hinter den Erwartungen an eine Nation mit vier Weltmeistertiteln zurückblieb. Die sportliche und öffentliche Aufarbeitung fiel entsprechend schonungslos aus.

Julian Nagelsmann musste nach dem Turnier seinen Posten als Bundestrainer räumen. Der frühe Rauswurf aus dem Turnier und die Bilder rund um das Teamumfeld hatten das Vertrauen in die sportliche Führung nachhaltig erschüttert. Zahlreiche Experten bemängelten im Nachgang, dass bei diesem Turnier die für Weltmeisterschaften typische Anspannung und Konzentration gefehlt habe – ein Vorwurf, den auch Hoeneß nun mit seinen Aussagen untermauert.

Für den Bayern-Ehrenpräsidenten ist diese Episode kein Einzelfall, sondern Symptom eines größeren Problems: eine zunehmende Wohlfühlkultur, die seiner Meinung nach nicht zu den Ansprüchen passt, die an eine Nationalmannschaft bei einer WM gestellt werden müssen.

Klopp soll für neue Disziplin sorgen

Große Hoffnungen setzt Hoeneß nun in Jürgen Klopp, der als neuer Bundestrainer die Nachfolge von Nagelsmann angetreten hat. „Ich glaube nicht, dass das bei Jürgen Klopp möglich ist. Und deshalb glaube ich, dass Jürgen wieder Disziplin reinbringt“, zeigte sich Hoeneß überzeugt. Klopp gilt als Trainer, der emotionale Führung mit hohen Ansprüchen an Einsatz und Mentalität verbindet – Eigenschaften, die dem DFB-Team nach Ansicht vieler Beobachter zuletzt gefehlt haben.

Die ersten konkreten Duftmarken wird Klopp im September setzen können, wenn für das DFB-Team wichtige Partien in der Nations League anstehen, unter anderem gegen die Niederlande. Für Klopp ist es eine frühe Gelegenheit, seine Philosophie im Umgang mit der Mannschaft zu demonstrieren und zu zeigen, dass er die von Hoeneß geforderte neue Disziplin tatsächlich durchsetzen kann. Sportlich und öffentlich wird genau beobachtet werden, ob sich die Auftritte des Teams unter dem neuen Bundestrainer spürbar verändern.

Hoeneß sieht Nachwuchsarbeit als größere Baustelle

Über die aktuelle Kritik am DFB-Team hinaus blickte Hoeneß auch auf strukturelle Probleme im deutschen Fußball. Er wünscht sich Veränderungen im Nachwuchsbereich, um die Basis für künftige Erfolge zu verbessern. „Ich habe früher nach der Schule gekickt auf der Straße, bis meine Mutter uns bei Dunkelheit vom Platz geholt hat. Das gibt es doch heute gar nicht mehr“, erinnerte sich der Bayern-Ehrenpräsident an seine eigene Jugend.

Für Hoeneß liegt darin auch eine gesellschaftliche Dimension: „Wir leben in einem Land, wo es den meisten sehr gut geht. Darin sehe ich die größte Gefahr auch für unseren Fußball.“ Er spielt damit auf einen möglichen Verlust von Ehrgeiz und Leidensfähigkeit im Nachwuchs an – Eigenschaften, die früher auf Bolzplätzen und im Straßenfußball automatisch trainiert wurden und heute seltener geworden seien.

Ausblick: Was die Kritik für das DFB-Team bedeutet

Die Aussagen von Hoeneß reihen sich in eine breitere Debatte über die Zukunft des deutschen Fußballs ein, die seit dem WM-Aus nicht abgerissen ist. Als Ehrenpräsident des FC Bayern und einflussreiche Stimme im deutschen Fußball verleiht Hoeneß der Diskussion zusätzliches Gewicht. Seine Forderung nach mehr Härte, Fokus und Disziplin dürfte auch beim DFB und bei Klopp registriert werden.

Wie tragfähig die Hoffnung auf einen Umbruch unter dem neuen Bundestrainer ist, wird sich in den kommenden Länderspielen zeigen. Die Partien in der Nations League, allen voran das Duell mit den Niederlanden, gelten bereits jetzt als erster wichtiger Prüfstein für Klopps Amtszeit – und als möglicher Beleg dafür, ob die von Hoeneß angemahnte neue Mentalität tatsächlich Einzug hält.

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