Ter Stegens DFB-Comeback: Glanzparaden und Wackelpässe

Redaktion Fussballpuls
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Marc-André ter Stegen ist nach 15 Monaten ohne Pflichtspiel mit einer zwiespältigen Leistung ins DFB-Tor zurückgekehrt. Beim 1:1 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft am 25. September 2026 in Amsterdam brachte der Torhüter in der ersten Halbzeit nur 9 von 16 Pässen an, eine Quote von 56 Prozent, und war an zwei brenzligen Szenen nach Ecken beteiligt. Gleichzeitig rettete er mit drei starken Reflexen gegen die Niederlande und hielt sein Team im Spiel. Es war das Auftaktspiel der Nations-League-Saison 2026/27 und zugleich das erste Spiel von Jürgen Klopp als Bundestrainer.

Wackelige erste Halbzeit, starke Reflexe

Felix Nmecha hatte die deutsche Mannschaft in der 32. Minute in Führung gebracht, Cody Gakpo glich für die Niederlande erst in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit aus. Dazwischen lieferte ter Stegen ein Spiel der Gegensätze. Die Sportschau beschrieb seinen Auftritt als „offenbar nervös“ und sprach von „unerklärlichen und gefährlichen Fehlpässen“ im Spielaufbau. Beim Gegentor selbst war er chancenlos. Gewürdigt wurden dagegen sein Stellungsspiel im kurzen Eck sowie eine, wie es hieß, „schöne Flugparade“. Kritisch vermerkt wurde zudem ein schlechtes Timing bei einem Eckball.

Klopps Vertrauensbeweis vor dem Comeback

Dass ausgerechnet ter Stegen zwischen den Pfosten stand, war keine Selbstverständlichkeit. Klopp hatte ihn kurz vor der Partie öffentlich zur klaren Nummer eins erklärt und Oliver Baumann komplett aus dem Kader gestrichen. Für einen Torhüter, der seinen Stammplatz beim FC Barcelona verloren hat und seit 15 Monaten kein Pflichtspiel mehr bestritten hatte, ist das ein ungewöhnlich offensives Bekenntnis eines gerade erst angetretenen Bundestrainers, zumal es Klopps allererstes Spiel überhaupt auf der DFB-Bank war. Baumann komplett zu streichen, statt ihn zumindest als Rückversicherung im Kader zu behalten, unterstreicht, wie bewusst Klopp dieses Risiko eingegangen ist. Ein Rückschlag im ersten Spiel hätte sofort Fragen nach der Torwartentscheidung aufgeworfen, noch bevor Klopp sich sportlich irgendwo anders profilieren konnte.

15 Monate Pause, neue Station in Amsterdam

Ter Stegens Weg zurück ins Tor war lang. Nach seiner Verletzungsserie verlor er bei Barcelona seinen Stammplatz und wechselte auf Leihbasis zu Ajax Amsterdam, wo er seither versucht, an alte Leistungen anzuknüpfen. Das Spiel gegen die Niederlande war in diesem Kontext weit mehr als nur ein Nations-League-Auftakt: Es war der erste echte Test, ob er nach anderthalb Jahren Wettkampfpause auf höchstem Niveau wieder bestehen kann. Genau darin liegt die Erklärung für die Achterbahn seiner Leistung: Die Reflexe, für die er über Jahre als einer der besten Torhüter der Welt galt, waren sofort wieder da, während das ballsichere Passspiel, das im modernen Torwartfußball ebenso erwartet wird, erkennbar unter dem fehlenden Wettkampfrhythmus litt.

Reaktionen zwischen Lob und Mahnung

Entsprechend gespalten fielen die Reaktionen aus. Manche Medien sprachen angesichts der Achterbahn aus Fehlpässen und Glanzparaden von „Genie und Wahnsinn“ in ein und derselben Leistung. Ein Kommentar bei ran ging weiter und mahnte, die Vorstellung müsse „nachdenklich stimmen“. Niemand feierte also ein reines Fehlerfestival, aber auch die drei Rettungstaten wurden nirgends kleingeredet. Die Debatte um ter Stegen bewegt sich seit dem Abpfiff genau in diesem Spannungsfeld zwischen Erleichterung über seine Rückkehr und Sorge um seine aktuelle Form.

Ausblick: Bleibt ter Stegen die Nummer eins?

Offen ist, wie Klopp beim Heimdebüt gegen Griechenland reagiert. Zur Wahl steht neben einer weiteren Nominierung von ter Stegen auch ein Einsatz von Jonas Urbig, der bei seinem Verein regelmäßig spielt und keine monatelange Wettkampfpause hinter sich hat. Offiziell hat sich der Bundestrainer dazu noch nicht geäußert, die Entscheidung dürfte aber in den kommenden Tagen fallen.

Einordnung

Die schwache Passquote lässt sich in erster Linie als Symptom von fehlendem Wettkampfrhythmus nach 15 Monaten Pause lesen, nicht als Beleg für nachlassende Klasse – dafür sprechen die drei starken Paraden eine zu deutliche Sprache. Klopp hat mit der öffentlichen Ansage vor dem Spiel und der Streichung Baumanns bewusst ein Zeichen des Vertrauens gesetzt, das er nach einem am Ende ordentlichen Ergebnis kaum sofort wieder zurücknehmen dürfte, ohne genau dieses Vertrauen im Kader zu beschädigen. Sollten beim Heimspiel gegen Griechenland allerdings erneut wacklige Anfangsminuten dazukommen, wird der Ruf nach Urbig als Alternative schnell lauter werden – und Klopp braucht dann eine Antwort, die über einen reinen Vertrauensbeweis hinausgeht.

Quelle: Sportschau.de

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