Beim FC Bayern zeichnet sich eine Ausnahme von der eigenen Vertragspolitik ab: Aufsichtsratsmitglied Karl-Heinz Rummenigge ist zuversichtlich, dass Harry Kane seinen im Sommer 2027 auslaufenden Vertrag verlängert. „Harrys Bruder und sein Vater verhandeln gerade mit Jan-Christian Dreesen. Ich bin optimistisch, dass sie eine gute Lösung finden“, sagte Rummenigge der „Abendzeitung“.
Vater und Bruder verhandeln mit Dreesen
Wie schon in der Vergangenheit wickelt Kane seine Vertragsgespräche nicht selbst ab, sondern lässt sie über sein familiäres Umfeld führen. Laut Rummenigge sitzen aktuell Kanes Bruder und Vater mit Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen am Verhandlungstisch. Konkrete Zahlen zu Laufzeit oder Gehalt nannte der 71-Jährige nicht. Über den Stand dieser Gespräche wurde in den vergangenen Tagen bereits mehrfach berichtet; neu an Rummenigges Auftritt ist etwas anderes: Er erklärt erstmals öffentlich, warum der Klub bei Kane grundsätzlich von seiner eigenen Vertragslinie abweichen will.
Warum Bayern bei Kane von der Ü30-Regel abrückt
Der FC Bayern hat in den vergangenen Jahren bei Spielern jenseits der 30 in der Regel nur noch Einjahresverträge vergeben, um sich nicht langfristig an alternde Profis zu binden. Diese Linie traf zuletzt schon Klublegenden wie Arjen Robben und Franck Ribéry und gilt bis heute auch für Thomas Müller und Manuel Neuer. Bei Kane, der im Sommer 2027 auf sein 34. Lebensjahr zugeht, soll nun eine Ausnahme gemacht werden.
„Früher hätte ich gesagt: Bei Spielern über 30 sollte man grundsätzlich nur Einjahresverträge machen. Aber es gibt eben Ausnahmen, wenn du von einem Spieler überzeugt bist. Und das sind wir bei Harry.“
Als Argument führte Rummenigge Kanes Robustheit an:
„Man darf nicht vergessen: In drei Jahren war er nur einmal verletzt. Ich kann mich selbst erinnern: Als ich die Drei vorne stehen hatte, war ich schon reichlich mit Muskelproblemen behaftet.“
Rummenigge war selbst in den 1970er- und 80er-Jahren als Mittelstürmer des FC Bayern aktiv und weiß demnach aus eigener Erfahrung, wie ungewöhnlich Kanes geringe Ausfallquote für einen Angreifer seines Alters ist. Genau diese Verlässlichkeit ist es, die den Aufsichtsrat offenbar überzeugt hat, von der sonst starren Regel abzuweichen.
Eine Stimme aus dem Aufsichtsrat, nicht vom Verhandlungstisch
Wichtig für die Einordnung: Rummenigge sitzt im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG und ist damit nicht selbst Teil der operativen Vertragsverhandlungen, die auf Klubseite von Vorstandschef Dreesen geführt werden. Seine Aussagen sind deshalb kein offizieller Verhandlungsstand, sondern die Einschätzung eines einflussreichen Kontrollgremiums – ein Signal, dass der Klub intern bereits Einigkeit über die grundsätzliche Richtung erzielt hat, auch wenn die Details zwischen Kanes Familie und Dreesen noch verhandelt werden.
Kanes Bilanz spricht für sich
Die Zahlen untermauern Rummenigges Vertrauen. Seit seinem Wechsel von Tottenham Hotspur im Sommer 2023 hat sich Kane bei Bayern zum zuverlässigsten Torjäger der Bundesliga entwickelt und wurde in seinen ersten drei Bundesliga-Spielzeiten jeweils Torschützenkönig, zuletzt in der Saison 2025/26 mit 36 Treffern und einem Vorsprung von 17 Toren auf den Zweitplatzierten Deniz Undav. Eine solche Serie über drei aufeinanderfolgende Spielzeiten gelang vor ihm bei Bayern nur Gerd Müller und Robert Lewandowski. Auch in der laufenden Saison 2026/27 knüpft der englische Nationalspieler nahtlos daran an: Nach vier Bundesliga-Partien steht er bereits bei drei Toren.
Diese Konstanz, kombiniert mit der von Rummenigge betonten geringen Ausfallquote, ist aus Sicht des Klubs der entscheidende Unterschied zu anderen Spielern über 30, bei denen Bayern zuletzt konsequent an der Einjahresvertrags-Linie festgehalten hat.
Einordnung
Dass ein Aufsichtsratsmitglied die Abweichung von der eigenen Ü30-Regel ausgerechnet bei einem 33 Jahre alten Mittelstürmer öffentlich begründet, unterstreicht, welchen Stellenwert Kane im Klub inzwischen genießt – eine Sonderbehandlung, die selbst Spielern wie Müller oder Neuer verwehrt blieb. Für den Aufsichtsrat zählt dabei offenkundig weniger das Kalenderalter als die Verlässlichkeit: eine geringe Ausfallquote und eine über Jahre konstant hohe Torquote. Zu Laufzeit, Gehalt oder einer möglichen Ausstiegsklausel äußerte sich Rummenigge nicht – hier bleibt der Stand unverändert offen. Neu ist stattdessen die grundsätzliche Positionierung aus dem Kontrollgremium: Der Klub ist bereit, eine seiner eigenen Regeln für Kane zu brechen. Bis eine Unterschrift vorliegt, bleibt Rummenigges Optimismus zunächst eine Ankündigung, keine Gewissheit.
Quelle: fussballtransfers.com





