Der Streit um Joshua Kimmich im DFB-Team hat die Politik erreicht: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat Bundestrainer Jürgen Klopp für dessen Aussagen über den Bayern-Profi kritisiert. Laut Sport1 äußerte sich der CSU-Politiker am 22. Oktober in der Sky-Sendung „Triple“. Eine Reaktion von Klopp oder Kimmich auf Söders Worte ist bislang nicht bekannt.
Was Söder an Klopp stört
Söder lobte Klopp zunächst als Persönlichkeit. Irritiert zeigte er sich aber darüber, wie der Bundestrainer Kimmich einordne. Klopp habe den Bayern-Spieler zwar gewürdigt, ihn dabei aber mit zehn oder elf anderen Spielern auf eine Stufe gestellt. Genau diese Relativierung habe ihn verwundert, sagte Söder sinngemäß. Wörtlich hieß es in der Sendung laut Sport1: „Das hat mich gewundert, diese Relativierung.“
Außerdem stellte Söder laut Sport1 Klopps Zweifel an der Taktik von Bayern-Trainer Vincent Kompany mit Harry Kane infrage. Im Kern teilt Söder damit gegen den Bundestrainer aus, obwohl er ihn persönlich schätzt. Über den genauen Wortlaut weiterer Passagen liegen bislang nur die Angaben von Sport1 vor, eine vollständige Mitschrift der Sendung gibt es hier nicht.
Klopps Aussagen bei DAZN
Auslöser war ein Interview, das Klopp während der Champions-League-Partie zwischen Bayern und Arsenal (2:2) bei DAZN gab. Er wurde dort zu den Mittelfeldspielern Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof befragt, die die Münchner aufgeboten hatten. Klopp erklärte selbst, dass jede Antwort darauf heikel sei. Er sagte: „Ich finde es heute absolut pietätlos, wenn wir da jetzt drüber reden.“ Aus der Sache werde ein Kimmich-Thema gemacht.
Inhaltlich betonte Klopp, dass Bischof und Pavlovic gut harmonierten. Das bedeute aber nicht, dass es mit Kimmich nicht ebenfalls funktionieren könne. Die Mannschaft habe mehr als nur einen Mittelfeldspieler. Die Debatte in Deutschland hielt er für überzogen, wenn ein Spieler einmal nicht in der Startelf stehe.
Die Vorgeschichte: Kimmich pausiert
Hintergrund ist die Kimmich-Debatte der vergangenen Wochen. Klopp hatte den Bayern-Kapitän in den jüngsten Nations-League-Spielen gegen Serbien und in Griechenland nicht aufgeboten, Pavlovic und Bischof dagegen schon. Kimmich pausierte damit in den Länderspielen, Serge Gnabry trug in dieser Zeit die Kapitänsbinde. Nach Angaben von Sport1 fehlte Kimmich zuletzt zudem wegen eines Trauerfalls im engsten Familienkreis. Dieser Umstand erklärt, warum Klopps Wortwahl vom „pietätlos“ im Raum steht und warum die Diskussion so emotional geführt wird.
Söders Kritik als neue Wendung
Söder ist nicht der Einzige, der Klopps Auftritt kritisch sieht. Schon zuvor hatte sich Oliver Kahn in die Debatte eingeschaltet und Klopp laut Sport1 vorgeworfen, sich eher wie ein Fußballexperte als wie ein Nationaltrainer geäußert zu haben; er forderte mehr Diplomatie. Neu ist mit Söder die politische Ebene: Mit dem bayerischen Ministerpräsidenten äußert sich erstmals jemand aus der Landespolitik, und die Debatte reicht damit über den reinen Fußballkreis hinaus.
Zusammen mit der Kritik an Kompany zeichnet sich ein Spannungsfeld zwischen Klopp und dem FC Bayern ab. Die Münchner stellen traditionell viele Nationalspieler, entsprechend sensibel reagiert das Umfeld auf jede Äußerung des Bundestrainers über Bayern-Profis. Ein Verbandstrainer muss zudem anders abwägen, was er öffentlich sagt, als ein reiner Analyst. Genau an diesem Punkt setzt die Kritik an.
Was im November ansteht
Die Rolle Kimmichs im November-Aufgebot dürfte ein zentrales Thema werden. Offen ist, ob Klopp den Mittelfeldspieler wieder als Kapitän oder Stammkraft einplant. Klopp hat öffentlich betont, dass es im Mittelfeld mehrere Optionen gibt. Pavlovic und Bischof haben ihre Chance genutzt, Kimmich bringt Erfahrung und Führungsqualitäten mit. Ob der Bundestrainer die Kapitänsfrage neu stellt, ist bislang nicht bekannt.
- Offene Frage: Beruft Klopp Kimmich im November wieder als Kapitän oder Stammkraft?
- Konfliktlinie: Klopp gegen Teile des Bayern-Umfelds, inklusive Kompany-Kritik.
- Stimmung: Kritik von Söder und Kahn, keine Reaktion von Klopp oder Kimmich bekannt.
Einordnung
Dass sich ein Ministerpräsident in eine Kaderfrage des Bundestrainers einschaltet, zeigt, wie groß der Stellenwert der Nationalmannschaft und von Kimmich als Figur ist. Sportlich ist Klopps Argument nachvollziehbar: Wenn Pavlovic und Bischof überzeugen, muss ein Stammplatz nicht automatisch an einen Namen gebunden sein. Kommunikativ war der Zeitpunkt seiner Aussagen allerdings unglücklich, weil das private Umfeld des Spielers mitschwang. Klopp wird im November klarstellen müssen, welche Rolle er Kimmich zudenkt. Je klarer und ruhiger er das tut, desto schneller dürfte sich die Debatte beruhigen.
- FC Bayern: Danks bestätigt Kim-Ausfall – Kompany und Kimmich fehlen ebenfalls
- Klopp lobt Pavlovic und Bischof: Pool statt fester Doppel-Sechs
- Klopp soll Bayerns Spielweise kritisiert haben – Details sind offen
Quelle: sport1.de





