Bundesliga-Pressing im Check: Wer den Ball vorne erobert

Redaktion Fussballpuls
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Grafik: Fussballpuls · Daten: FotMob

Wer den Ball früh zurückholt, spielt näher am gegnerischen Tor. Aber zahlt sich das auch in Punkten aus? Der Pressing-Check nach dem 8. Spieltag (Daten bis 01.11.2026) zeigt: Die Mannschaften mit den meisten Ballgewinnen im letzten Drittel stehen im Schnitt besser da. Ein Naturgesetz ist das nicht, denn es gibt auffällige Ausnahmen.

Rangliste Wer presst am höchsten?: 1. FC Bayern 6,0, 2. TSG Hoffenheim 5,4, 3. BVB 4,9, 4. RB Leipzig 4,3, 5. Werder Bremen 4,3, 6. Leverkusen 4,1, 7. Frankfurt 4,0, 8. Paderborn 3,6, 9. Gladbach 3,6, 10. SC Freiburg 3,5.
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Was Ballgewinne im letzten Drittel messen

Die Kennzahl zählt, wie oft eine Mannschaft pro Spiel den Ball im Angriffsdrittel erobert. Sie ist ein direktes Maß dafür, wie hoch und wie erfolgreich ein Team presst. Wer hier viele Werte sammelt, verlegt das Spiel nach vorn und verkürzt den Weg zum Tor.

Die Zahl misst nur die erfolgreichen Eroberungen. Sie sagt nicht, wie viele Pressingversuche ins Leere liefen. Ergänzend schauen wir auf die Strafraumkontakte, also die Ballkontakte im gegnerischen Strafraum pro Spiel, und auf die Kontakte, die ein Team im eigenen Strafraum zulässt.

Die Pressing-Spitze

  1. FC Bayern: 6,0 Ballgewinne pro Spiel, 18 Punkte
  2. TSG Hoffenheim: 5,4 Ballgewinne pro Spiel, 9 Punkte
  3. BVB: 4,9 Ballgewinne pro Spiel, 18 Punkte

Bayern führt mit deutlichem Abstand und hat zugleich die extremste Bilanz bei den Strafraumkontakten: 49,8 eigene stehen 17,0 zugelassenen gegenüber. An unserer Taktik-Tafel wäre das fast ein Verhältnis von drei zu eins. Der xG-Wert gegen, die Qualität der Torchancen also, die der Gegner nach Lage der Schüsse zu erwarten hätte, liegt bei 0,92 pro Spiel. Das ist der beste Wert in dieser Auswertung.

Hoffenheim presst fast so hoch, steht mit 9 Punkten aber deutlich darunter. Der xG gegen beträgt 1,3 pro Spiel, die Mannschaft lässt 23,9 Strafraumkontakte zu. Der BVB hat bei 4,9 Ballgewinnen ebenfalls 18 Punkte, bei 1,5 xG gegen.

Die Abwartenden

  • Elversberg: 2,3 Ballgewinne pro Spiel, 13 Punkte
  • Union Berlin: 2,5 Ballgewinne pro Spiel, 7 Punkte
  • Hamburger SV: 2,6 Ballgewinne pro Spiel, 9 Punkte

Alle drei teilen ein Muster: wenige eigene Strafraumkontakte (19,8, 17,2 und 17,1) und viele zugelassene (35,6, 36,1 und 34,9). Das Spiel findet überwiegend im eigenen Drittel statt. Elversberg ist die Ausnahme beim Ertrag. Die Mannschaft holt 13 Punkte, obwohl ihr xG gegen mit 2,17 pro Spiel hoch ausfällt. Nach xG-Lage hat sie also mehr Gegenchancen zugelassen, als es die Punkte vermuten lassen.

Lohnt sich Pressing?

Wir vergleichen die sieben Mannschaften mit den meisten Ballgewinnen (mindestens 4,0 pro Spiel) mit den sieben mit den wenigsten (höchstens 3,4):

  • Strafraumkontakte pro Spiel: 33,6 gegenüber 24,0
  • Zugelassene Strafraumkontakte pro Spiel: 23,2 gegenüber 31,5
  • xG gegen pro Spiel: 1,53 gegenüber 2,02
  • Punkte im Schnitt: 14,1 gegenüber 9,4

Die Richtung ist in allen vier Werten dieselbe. Wer vorne erobert, kommt öfter in den gegnerischen Strafraum und lässt weniger Chancen zu. Das ist eine Korrelation, kein Beleg für Ursache und Wirkung. Starke Teams pressen vielleicht auch deshalb hoch, weil sie ohnehin dominieren. Und wer führt, kann sich Pressing leisten.

Die Ausnahmen mahnen zur Vorsicht. Werder Bremen erobert 4,3 Bälle pro Spiel, lässt aber 30,1 Strafraumkontakte zu und hat 1,57 xG gegen, bei 15 Punkten. Der SC Freiburg erobert nur 3,5 Bälle pro Spiel und kommt dennoch auf 16 Punkte bei 1,22 xG gegen und 20,2 zugelassenen Strafraumkontakten. Gladbach liegt mit 3,6 Ballgewinnen im Mittelfeld der Tabelle der Kennzahl, hat aber nur 4 Punkte und mit 2,32 den zweithöchsten xG-gegen-Wert der Gruppe der oberen Hälfte. Unsere Einschätzung: Pressing hilft, wenn die Absicherung dahinter stimmt. Hohe Ballgewinne allein reichen nicht.

Zudem sind acht Spieltage eine kleine Stichprobe. Einzelne Ergebnisse verschieben die Punktewerte spürbar.

So rechnen wir

Datenquelle ist FotMob, Stand 8. Spieltag der Saison 2026/27. Wir sortieren alle Mannschaften nach Ballgewinnen im letzten Drittel pro Spiel und bilden für die Gruppenvergleiche die Durchschnitte der sieben höchsten und der sieben niedrigsten Werte. Zugrunde liegen Strafraumkontakte, zugelassene Strafraumkontakte, xG gegen pro Spiel und Punkte. Zusammenhänge beschreiben wir nur als solche, Ursachen leiten wir daraus nicht ab.

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