Was sind Expected Goals – und warum lügt das Ergebnis manchmal?

Redaktion Fussballpuls
5 Minuten Lesezeit
Grafik: Fussballpuls · Daten: FotMob

Expected Goals (xG) sind die erwartete Torzahl: ein Wert, der für jeden Abschluss angibt, wie wahrscheinlich ein Tor nach historischer Erfahrung war. Das Ergebnis „lügt“ nicht wirklich, es zeigt nur einen Teil der Wahrheit. Ein Tor ist ein seltenes Ereignis, und der Zufall entscheidet oft mit, ob ein gutes Angebot an Chancen auch zu Treffern führt.

Rangliste Wer erspielt die besten Chancen?: 1. FC Bayern 3,65, 2. RB Leipzig 2,64, 3. Mainz 05 2,17, 4. VfB Stuttgart 2,14, 5. FC Augsburg 2,08, 6. Leverkusen 2,01, 7. TSG Hoffenheim 1,90, 8. Frankfurt 1,75, 9. Werder Bremen 1,75, 10. SC Freiburg 1,74.
Grafik: Fussballpuls · Daten: FotMob

So funktioniert es: das Alltagsbild

Stellen Sie sich einen Dosenwurf auf dem Jahrmarkt vor. Aus einem Meter Abstand treffen die meisten, aus zehn Metern kaum jemand. Genauso bewertet xG jeden Schuss: Aus welcher Position fiel er, mit welchem Körperteil, nach welcher Art von Vorlage? Aus den Tausenden ähnlichen Abschlüssen der Vergangenheit ergibt sich eine Trefferwahrscheinlichkeit zwischen null und eins.

Ein Schuss aus spitzem Winkel oder aus großer Distanz bekommt einen niedrigen Wert. Ein Kopfball aus kurzer Entfernung vor dem leeren Tor oder ein Elfmeter bekommt einen hohen. Die Werte aller Schüsse eines Teams in einem Spiel werden addiert. Das Ergebnis ist die Torzahl, die ein Team bei durchschnittlicher Verwertung erwarten durfte.

  • Viele schlechte Chancen können zusammen so viel wert sein wie eine einzige gute.
  • Der Wert gehört zur Chance, nicht zum Schützen: Er sagt, was ein durchschnittlicher Schütze daraus macht.
  • Wer über dem erwarteten Wert trifft, verwertet stark oder hat Glück. Beides ist von außen kaum zu trennen.

Ein Beispiel aus der Bundesliga 2026/27

Die Saison 2026/27 liefert pro Team einen xG-Wert je Spiel. An der Spitze steht der FC Bayern mit 3,65, es folgt RB Leipzig mit 2,64. Der Abstand zwischen beiden beträgt 0,99 Tore pro Spiel. Das ist größer als der gesamte Unterschied zwischen Platz drei und Platz zehn: Mainz 05 kommt auf 2,17, der SC Freiburg auf 1,74, also 0,43 Differenz.

Dahinter liegt ein dichtes Feld: VfB Stuttgart (2,14), FC Augsburg (2,08), Leverkusen (2,01), TSG Hoffenheim (1,90) sowie Frankfurt und Werder Bremen mit je 1,75. Zwischen Stuttgart und Hoffenheim liegen nur 0,24 Tore pro Spiel. Bei so engen Abständen kann ein einziges Spiel mit ungewöhnlich viel Glück oder Pech die Reihenfolge verschieben.

Unsere Einschätzung: Der Wert der Münchner ist keine Zufallsspitze. Wer in der Breite so deutlich vorn liegt, erzeugt dauerhaft bessere Abschlusspositionen. Bei den Plätzen drei bis zehn sagt die Rangfolge dagegen wenig, weil die Werte so nah beieinander liegen. Zudem sind Zahlen aus einer laufenden Saison eine Stichprobe: Je weniger Spiele gespielt sind, desto stärker schwanken sie.

Warum das Ergebnis manchmal lügt

Ein einzelnes Spiel enthält nur wenige Abschlüsse, und jeder davon ist eine Art Münzwurf mit ungleichen Seiten. Ein Team kann mit hohem xG verlieren, weil der Torwart drei gute Paraden zeigt oder ein Schuss an den Pfosten geht. Ein anderes gewinnt mit niedrigem xG durch einen Distanzschuss, der nur selten sitzt.

Über viele Spiele gleicht sich das meist aus. Deshalb sagt der xG-Schnitt über eine Saison mehr über die Stärke eines Teams aus als ein einzelner Spielstand. Das Ergebnis lügt also nicht, es ist nur ein verrauschtes Signal.

Was die Kennzahl nicht kann

  • Sie kennt nicht jedes Detail. Der Druck durch Gegenspieler, die Qualität des Torwarts oder die Schussstärke fließen je nach Modell nur teilweise ein.
  • Sie bewertet nur Abschlüsse. Wer ein Spiel kontrolliert und sehr wenig zulässt, wird erst durch die Gegenseite sichtbar, also über den xG der Gegner.
  • Sie ist keine Prognose für ein einzelnes Spiel. Sie beschreibt, was wahrscheinlich war, nicht, was passieren wird.
  • Sie hängt vom Spielstand ab. Eine führende Mannschaft spielt oft vorsichtiger, was ihren Wert dämpfen kann.
  • Modelle unterscheiden sich. Verschiedene Anbieter kommen für dasselbe Spiel auf leicht abweichende Werte.

Merksatz

xG misst, wie gut die Chancen waren, nicht, wie gut sie genutzt wurden. Wer über viele Spiele mehr und bessere Chancen hat, gewinnt auf Dauer, aber an einem einzelnen Tag kann der Zufall dazwischenfunken.

So rechnen wir

Die xG-Werte stammen von FotMob und bilden den Durchschnitt pro Spiel der Saison 2026/27. Das zugrunde liegende Modell bewertet jeden Abschluss anhand von Position, Körperteil und Art der Vorlage und addiert die Werte je Team. Die Rangfolge und die Abstände in diesem Beitrag haben wir direkt aus diesen Durchschnittswerten berechnet.

Ähnliche Artikel

Diesen Artikel teilen
Keine Kommentare