Joshua Kimmich stand im DFB-Team zuletzt unter Druck, und Bayern-Sportvorstand Max Eberl stellte sich demonstrativ vor ihn. Nach dem 2:2 beim FC Augsburg am 10. Oktober nannte Eberl den Nationalmannschaftskapitän einen Anführer, der vorangeht. Bundestrainer Jürgen Klopp dagegen wollte das Thema nicht vertiefen. Ein klares Bekenntnis zu Kimmich gab es von ihm nicht.
Wie die Debatte entstand
Auslöser war das 2:0 der Nationalmannschaft gegen Serbien. Dort überzeugten Aleksandar Pavlovic und Bischof, und mehrere prominente Ex-Profis nahmen das zum Anlass, Kimmichs Stammplatz öffentlich infrage zu stellen. Zu den lautesten Stimmen zählten Oliver Kahn, Lothar Matthäus und Dietmar Hamann. Thomas Hitzlsperger, Markus Babbel und Pierre Littbarski trugen die Kritik zumindest teilweise mit. Einig waren sich die Experten also nicht in jedem Punkt. Der Grundtenor lautete aber, dass Kimmich seinen Platz nicht mehr automatisch sicher hat.
Das war mehr als eine Randnotiz. Kimmich ist 31 Jahre alt, trägt die Kapitänsbinde und war lange einer der Fixpunkte der Mannschaft. Wenn mehrere bekannte Namen gleichzeitig Zweifel anmelden, entsteht schnell eine Diskussion, die sich nicht mehr leicht einfangen lässt.
Bayerns zäher Saisonstart als Hintergrund
Hinzu kam die Situation im Verein. Der FC Bayern war ungewohnt zäh in die Saison gestartet. Gegen Schalke 04 und in Augsburg blieb es jeweils bei einem Unentschieden. Wer Kimmichs Rolle in der Nationalmannschaft bewertet, schaut zwangsläufig auch auf seine Auftritte in München. Beides lässt sich kaum sauber trennen. Deshalb bekam die Debatte nach dem Spiel in Augsburg neuen Auftrieb.
Dieses Bild hat sich inzwischen verschoben: Am 17. Oktober gewann Bayern gegen RB Leipzig mit 6:1. Der holprige Start ist damit als Argument deutlich abgeschwächt. Die Aussagen aus der Debatte stammen allerdings aus der Zeit davor und sind entsprechend einzuordnen.
Eberl: „Das ist ein Leader, der vorneweggeht“
Eberl reagierte nach der Partie in Augsburg deutlich und zeigte sich verwundert darüber, dass Kimmichs Qualitäten überhaupt angezweifelt werden. Laut 90min.de sagte er: „Das ist ein Leader, der vorneweggeht.“ Kimmich sei ein „herausragender deutscher Spieler“, und der Verein solle froh sein, ihn zu haben. Damit widersprach der Bayern-Sportvorstand den Kritikern offen.
Kimmich selbst gab sich gelassen. Er sagte laut 90min.de: „Am Ende spielen immer die Besten.“ Außerdem verwies er darauf, dass er seit elf Jahren dabei ist. Das lässt sich als Selbstvertrauen lesen. Es zeigt aber auch, dass er den Konkurrenzkampf annimmt und nicht beleidigt reagiert.
Auch Matthäus äußerte sich differenziert. Er nennt Kimmich weiterhin den besten deutschen Feldspieler. Wegen der starken Konkurrenz durch Pavlovic sieht er ihn aber unter Druck.
Klopp hält sich bedeckt
Bemerkenswert war vor allem die Haltung des Bundestrainers. Klopp wollte das Thema nicht vertiefen und erklärte nach eigenen Worten, es offiziell aufgegeben zu haben, darüber zu sprechen. Bei einem Kapitän erwartet man in einer solchen Lage eigentlich eine klare Aussage, dass er gesetzt ist. Die blieb aus.
Verteidiger der Linie gibt es dennoch:
- Oliver Bierhoff warnte vor voreiligen Schlüssen und verwies auf Klopps Reaktion. Für ihn ist das ein Zeichen, dass niemand Panik schieben sollte.
- Michael Ballack hält Klopps zweigleisige Kaderplanung grundsätzlich für in Ordnung.
Klopps zurückhaltende Linie lässt sich so deuten, dass er sich bewusst Optionen offenhält und keine feste Hierarchie zementiert. Das ist eine Interpretation, belegt ist sie nicht. Sicher ist nur, dass er sich zu dieser Personalie nicht klar äußerte.
Ausblick: Der November als Prüfstein
Die Debatte dürfte spätestens vor der Nominierung für die Nations-League-Spiele im November wieder aufflammen. Bis dahin entscheidet die Form bei Bayern. Nach dem 6:1 gegen Leipzig ist die Ausgangslage im Verein deutlich entspannter als noch Anfang Oktober. Pavlovic und Bischof können dagegen weiter Argumente für ihre Rolle sammeln.
Einordnung
Kimmich ist nicht abgeschrieben, aber sein Monopol auf die Schlüsselrolle im DFB-Team ist angekratzt. Dass Klopp sich nicht klar zu ihm bekennt, muss kein Misstrauen sein. Es kann auch Taktik sein: Der Bundestrainer hält den Druck hoch und bindet niemanden. Vieles spricht dafür, dass Kimmich im November im Kader steht. Ob er dort als unantastbarer Stammspieler auftritt, hängt von seinen nächsten Auftritten ab. Die offene Frage bleibt, ob er unter Klopp Kapitän und Stammspieler bleibt oder ob Pavlovic seine Rolle übernimmt.
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Quelle: 90min.de





