Joshua Kimmich fehlt auch im Rückspiel in Griechenland am 4. Oktober. Schon beim Hinspiel am 27. September (0:1 in Augsburg) und beim Spiel gegen Serbien am 1. Oktober stand er nicht im Kader. Bundestrainer Jürgen Klopp hat den Verzicht auf der Pressekonferenz vom 1. Oktober als sportlichen Test erklärt und betont, die Entscheidung sei „nicht gegen ihn“ gefallen. Vor dem Rückspiel stellt sich die Frage, was dieser Test bisher gezeigt hat und was er für Kimmich bedeutet.
Was Klopp bisher gesagt hat
Klopp wollte nach eigener Darstellung beobachten, was passiert, „wenn die Platzhirsche nicht da sind“. Er habe bewusst einen Schnitt machen und neue Kombinationen ausprobieren wollen. Kimmich hat laut Klopp mehrfach nachgefragt, ob er dabei sein kann. Der Trainer lobte ihn dennoch: „Er hat einen großartigen Eindruck gemacht. Toller Kapitän.“ Zugleich kritisierte Klopp die mediale Berichterstattung über die Personalie und kündigte an, künftig direkter zu kommunizieren. Damit hat er zwei Dinge zugleich getan: Er hat die sportliche Begründung geliefert und die Debatte darüber selbst eingeordnet.
Frage 1: Wie lange gilt der Verzicht?
Kimmich fehlt in allen drei Nations-League-Spielen: im Hinspiel, gegen Serbien und im Rückspiel. Eine Rückkehrgarantie gibt Klopp nicht, einen endgültigen Abschied aber auch nicht: „Es können Verletzungen kommen, es können sonstige Dinge passieren“, sagte er. Damit hält er sich alle Wege frei. Für Kimmich heißt das: Er kann nicht davon ausgehen, dass die Lücke nur bis zum nächsten Lehrgang besteht, und ebenso wenig, dass sie bleibt. Die Antwort fällt erst mit der nächsten Nominierung.
Frage 2: Wie reagiert das Umfeld?
Die Kritik am Fehlen des Spielers reißt nicht ab. Laut flashscore.de äußerte Lothar Matthäus Kritik daran, dass Kimmich auch im zweiten DFB-Kader fehlt. Schon das Wort „auch“ zeigt, worum es geht: Nicht die einzelne Auslassung ist der Anstoß, sondern die Wiederholung. Aus einem einmaligen Experiment wird in der Wahrnehmung ein Muster, und Muster lesen Fans und Experten schneller als Absicht denn als Zufall. Klopp muss deshalb damit rechnen, dass sein „nicht gegen ihn“ bei jedem weiteren Kader ohne Kimmich schwerer zu vermitteln ist, auch wenn er es ernst meint. Welche Argumente Matthäus im Einzelnen anführt, geht aus dem vorliegenden Material nicht hervor.
Ran.joyn.de beschreibt Kimmich unter Klopp als Spieler im Dilemma: Er ist Kapitän und zugleich einer, dessen Platz im Team nicht gesetzt ist. Mario Basler hatte schon am 29. September Kimmich heftig kritisiert und zugleich an Klopp appelliert. Bei 90min fordert eine Kolumne, Kimmich nicht mehr als Stammspieler zu setzen, und nennt Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof als Alternativen. Das ist die Forderung einer Kolumne, keine Entscheidung des Verbands. Bemerkenswert ist die Bandbreite der Stimmen: Die einen wollen, dass Klopp die Lücke erklärt oder schließt, die anderen, dass er sie dauerhaft macht. Beides lässt sich aus einem Test ohne die gesetzten Spieler nur ableiten, wenn die Leistungen der Ersatzleute klar für oder gegen Kimmich sprechen.
Frage 3: Was bedeutet das für die Führungsrolle?
Klopp nennt Kimmich einen „tollen Kapitän“, plant aber ohne ihn. Das ist kein Widerspruch, solange die Binde als Auszeichnung gilt, die nicht an jedes Spiel gebunden ist. Es wird einer, sobald sich jemand anderes in dieser Rolle einspielt. Im Hinspiel in Augsburg und gegen Serbien hat die Mannschaft ohne Kimmich gespielt, und jedes dieser Spiele liefert Anhaltspunkte, wer Verantwortung übernimmt: wer Anweisungen gibt, wer Entscheidungen trifft und wer nach Rückschlägen die Ordnung hält. Klopp hat dazu nichts Konkretes gesagt. Aus seiner Ankündigung, direkter zu kommunizieren, lässt sich lesen, dass er die Deutung der Personalie selbst bestimmen will. Das ist eine Einordnung, keine Aussage von Klopp.
Ausblick
Das Rückspiel am 4. Oktober in Griechenland liefert den nächsten Anlass, den Test zu bewerten. Dabei sollte man zwei Dinge trennen: das Ergebnis, das zählt, weil es in der Nations League um Punkte geht, und die Frage, ob die Mannschaft ohne Kimmich anders auftritt als mit ihm. Ein Erfolg würde Klopps Argument stützen, ein weiterer Rückschlag würde die Kritiker bestärken. Klopps Linie, der Verzicht sei ein sportlicher Test, gilt aber unabhängig davon, wie das Spiel ausgeht. Ob die Binde beim nächsten Lehrgang wieder bei Kimmich liegt, ist nicht entschieden.
Quellen: sport1.de, flashscore.de, ran.joyn.de
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- Klopp über Kimmich: „Er hat tatsächlich ein paar Mal nachgefragt“
- DFB-Team gegen Serbien: Klopps Kapitänsregel und die veränderte Elf
Quelle: sport1.de





