Borussia Dortmund hat am 28. September 2026 seine komplette Chefetage vorzeitig verlängert. Geschäftsführer Carsten Cramer rückt zum Vorsitzenden der Geschäftsführung auf und ist künftig bis zum 30. Juni 2031 gebunden, Sportdirektor Lars Ricken unterschrieb bis 2030, und Thomas Treß verlängerte auf eigenen Wunsch nur um ein weiteres Jahr bis 2028. Vierte Geschäftsführerin Svenja Schlenker bleibt ohnehin bis 2028 an Bord. Der Verein handelt damit selbst, bevor er sich der eigentlich brisanteren Personalie widmet: der Zukunft von Trainer Niko Kovac.
Was genau beschlossen wurde
Cramer, bislang Sprecher der Geschäftsführung, übernimmt mit sofortiger Wirkung den Vorstandsvorsitz bei Borussia Dortmund. Sein bis Juni 2027 laufender Vertrag wurde um vier Jahre bis 2031 verlängert. In seinen Zuständigkeitsbereich fallen weiterhin Vertrieb und Marketing, Internationalisierung sowie Digitalisierung, nun aber mit der Gesamtverantwortung an der Vereinsspitze.
Lars Ricken, seit Jahren als Sportdirektor für die Kaderplanung zuständig, erhält ebenfalls drei zusätzliche Jahre und ist nun bis zum 30. Juni 2030 an den BVB gebunden. Für den früheren Nationalspieler, der 1997 im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin den entscheidenden Treffer zum 3:1-Endstand erzielte, ist es die Bestätigung seiner Rolle als zentraler Architekt des Kaders.
Thomas Treß verlängerte dagegen lediglich um ein Jahr bis Sommer 2028, und das ausdrücklich auf eigenen Wunsch. Der für Finanzen, Organisation, Recht und Investor Relations zuständige Manager will danach aus dem operativen Geschäft ausscheiden, dem Verein aber als Aufsichtsrat und freier Berater erhalten bleiben. Svenja Schlenker, die erst im November 2025 als vierte Geschäftsführerin berufen wurde und für Personal sowie den Mädchen- und Frauenfußball zuständig ist, bleibt unverändert bis 2028 gebunden.
Warum der BVB jetzt handelt
Der Verein hatte bereits im Vorfeld angekündigt, zunächst die Chefetage langfristig abzusichern, bevor die Trainerfrage angegangen wird. Diese Reihenfolge ist kein Zufall: Erst soll Stabilität in der operativen Führung entstehen, danach folgt die nächste große Personalentscheidung. BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke betonte laut Vereinsangaben sein großes Vertrauen in Cramer und die gesamte Geschäftsführung. Der Verein signalisiert damit auch nach außen, dass ihm personelle Kontinuität und sportlicher Erfolg zusammengehören.
Für Dortmund ist das ein bewusster Kurswechsel. In den vergangenen Jahren hatte der Verein sowohl auf der Trainerbank als auch in Teilen der Vereinsführung mehrfach gewechselt, was intern wie extern immer wieder als Unruheherd beschrieben wurde. Mit den nun bis 2030 und 2031 laufenden Verträgen von Ricken und Cramer schafft der BVB einen Rahmen, der über mehrere Spielzeiten hinaus Planungssicherheit verspricht, personell wie strategisch.
Sportliches Umfeld: Rückenwind für die Entscheidung
Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der der BVB sportlich so gut dasteht wie lange nicht mehr. Nach einem 1:0-Sieg beim VfB Stuttgart am vierten Spieltag der Saison 2026/27 steht Dortmund an der Tabellenspitze der Bundesliga, zwei Punkte vor dem FC Bayern. Trainer Niko Kovac hatte die Mannschaft im Februar 2025 auf Tabellenplatz elf übernommen und sie mit einem starken Saisonendspurt noch in die Champions League geführt. Der Erfolgslauf verschafft der sportlichen Leitung zusätzlichen Rückenwind für ihre langfristigen Personalentscheidungen.
Nächster Schritt: Kovac soll folgen
Nach der Chefetage rücken nun die Verhandlungen mit Niko Kovac in den Fokus. Der Trainer ist aktuell noch bis zum Sommer 2027 an Dortmund gebunden, laut Sport Bild soll er seinen neuen Vertrag aber zeitnah unterschreiben. Einen verbindlichen Termin nennt der Bericht nicht, in Medienberichten kursieren dazu unterschiedliche Zeithorizonte. Kovac selbst hatte zuletzt öffentlich keinen Zweifel daran gelassen, seinen Weg beim BVB fortsetzen zu wollen.
Dass die Trainerfrage erst nach den Geschäftsführer-Verträgen final geklärt werden soll, folgt derselben Logik: Der Verein möchte Kovac einen langfristigen Vertrag anbieten können, ohne dass über ihm auf der Führungsebene Unsicherheit herrscht. Wann genau Kovac unterschreibt, ist laut Sport Bild noch offen.
Einordnung
Die gebündelte Vertragsverlängerung von Cramer, Ricken, Treß und Schlenker ist mehr als eine Randnotiz aus der Vereinsverwaltung. Sie ist ein Signal, dass Borussia Dortmund nach Jahren mit häufigen Wechseln an der Spitze auf Kontinuität setzen will, und zwar zuerst dort, wo die strategischen Weichen gestellt werden. Dass der Schritt ausgerechnet in einer Phase kommt, in der die Mannschaft die Tabelle anführt, verleiht der Botschaft zusätzliches Gewicht: Der BVB will den sportlichen Aufschwung mit personeller Stabilität unterlegen. Ob sich das langfristig auszahlt, hängt maßgeblich davon ab, wie die nächste, noch wichtigere Entscheidung ausfällt: die Vertragsverlängerung mit Niko Kovac. Erst wenn auch auf der Trainerbank Klarheit herrscht, ist das Führungspaket, das der BVB Ende September 2026 geschnürt hat, tatsächlich komplett.
- BVB: Kovac-Vertrag soll laut Bericht im November unterschrieben werden
- BVB: Kovac soll im Oktober neuen Vertrag unterschreiben
Quelle: bvbwld.de





