Der FC Bayern sollte sich in dieser Länderspielpause keine Illusionen machen: Eine Schonung für Harry Kane ist nicht in Sicht. Der 33-Jährige will laut Nationaltrainer Thomas Tuchel unbedingt in allen vier anstehenden Partien der Three Lions in der Startelf stehen – und Tuchel selbst denkt offenbar gar nicht erst daran, seinen Topstürmer aus der Anfangsformation zu nehmen.
Tuchel gegenüber dem „Standard“ über Kanes Wunsch, durchzuspielen:
„Ehrlich gesagt würde ich am liebsten nicht rotieren. Ich bin mir nicht sicher, ob das möglich ist. Mein ideales Szenario wäre, immer wieder anzutreten – mit mindestens sechs oder sieben Spielern aus der Startaufstellung, denen wir vertrauen.“
Für Bayern-Fans, die um die Belastungssteuerung ihres Stürmers bangen, klingt das nach einer klaren Ansage in die falsche Richtung.
Druck nach der Auftaktpleite gegen Spanien
Der Zeitpunkt der Aussage ist kein Zufall. England war mit einer 2:3-Niederlage gegen Spanien in die neue Nations-League-Saison gestartet. Kane traf zwar selbst zum zwischenzeitlichen 2:1, vergab aber einen Foulelfmeter, der die Partie hätte entscheiden können – Spanien drehte das Spiel in der zweiten Hälfte durch Tore von Alex Baena und Mikel Oyarzabal. Damit steht England bereits im zweiten Spiel der Gruppenphase unter Zugzwang.
Nächste Prüfung in Prag
Am morgigen Dienstag (29. September, 20:45 Uhr) geht es für die Three Lions in Prag gegen Tschechien weiter. Tuchel macht deutlich, dass er keine defensive Herangehensweise plant:
„Wir müssen proaktiv sein und alles geben. Es gibt keinen Spielraum für ein konservatives oder sparsames Spiel. So will die Mannschaft spielen, so wollen wir spielen – also los geht’s. Es wird ein anderes Szenario, ein anderes Umfeld und eine andere Herausforderung sein.“
Genau dieses Prinzip – volles Risiko, volle Kraft – soll offenbar auch für den Einsatz von Kane gelten.
Kanes Sonderrolle bei England und beim FC Bayern
Dass Kane selbst auf Einsatzzeit pocht, überrascht wenig. Der Kapitän gilt seit Jahren als Antreiber, der sich Pausen selten wünscht, egal ob im Verein oder im Nationaltrikot. Bei Bayern ist er seit seinem Wechsel 2023 zum unangefochtenen Rückhalt der Offensive geworden: In seinen ersten drei Spielzeiten kam er auf 36, 26 und erneut 36 Bundesliga-Tore, insgesamt stehen für ihn beim FC Bayern rund 98 Liga-Treffer in 94 Einsätzen zu Buche – eine Quote, von der die meisten Mittelstürmer der Welt nur träumen können.
Genau diese Unverzichtbarkeit ist für Bayern jedoch ein zweischneidiges Schwert. Je mehr Pflichtspiele Kane im Nationaltrikot absolviert, desto größer wird die Gesamtbelastung über eine Saison, in der er für die Münchner sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League gesetzt ist. Sollte England durch die Ergebnisse gegen Spanien und Tschechien in der Nations League zusätzlich unter Druck geraten, dürfte die Versuchung für Tuchel weiter wachsen, in jedem Spiel auf seine beste Formation zu setzen – mit Kane im Zentrum.
Einordnung
Tuchels Aussagen sind zunächst nichts anderes als eine ehrliche Bestandsaufnahme: Ein Nationaltrainer unter Ergebnisdruck wird kaum öffentlich ankündigen, seinen besten Stürmer zu schonen, nur weil dessen Klub das gerne hätte. Für den FC Bayern bedeutet das aber, dass die Hoffnung auf eine kontrollierte Belastungssteuerung Kanes in dieser Länderspielpause wohl enttäuscht wird. Ob sich das im weiteren Saisonverlauf auf seine Frische bei den entscheidenden Spielen in Bundesliga und Champions League auswirkt, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Vorerst bleibt es bei einer vertrauten Konstellation: England braucht Kane, und Kane will spielen – so oft es geht.
Quelle: fussballtransfers.com





