Die Tabelle der Premier League nach dem 10. Spieltag (Daten bis 07.11.2026) weicht an mehreren Stellen deutlich von der Chancenqualität ab. Am stärksten trifft es den Tabellenletzten Sunderland: 5 Punkte stehen 12,15 erwarteten Punkten gegenüber, ein Minus von 7,2. Auf der anderen Seite liegt Arsenal 6,9 Punkte über dem Wert, den die Torchancen hergeben.

Die ehrliche Tabelle in Kürze
Nimmt man die erwarteten Punkte (xPTS) als Maßstab, ändert sich das Bild spürbar. xPTS simulieren aus den Torchancen (xG, den erwarteten Toren) beider Teams, wie viele Punkte im Schnitt herausgekommen wären. Arsenal (20,13) und Manchester City (18,23) bleiben auf den Plätzen 1 und 2. Dahinter folgen Bournemouth (16,20), Nottingham Forest (15,52) und Fulham (15,29).
Die größten Sprünge nach unten würden Newcastle United (Platz 11 auf 19), Chelsea (4 auf 13) und Everton (5 auf 11) machen. Nach oben ginge es für Forest (16 auf 4), Fulham (15 auf 5) und Bournemouth (9 auf 3). Alle Werte stammen aus 9 oder 10 Spielen. Das ist eine kleine Stichprobe, in der einzelne Spiele stark ins Gewicht fallen.
Die Glückspilze
Die Differenz aus Punkten und xPTS zeigt, wer mehr herausholt, als die Chancen erwarten lassen:
- Arsenal: 27 Punkte, 20,13 xPTS, also +6,9. Bei 15 Toren und 5 Gegentoren stehen 15,98 xG und 7,59 xG gegen. Die Defensive hat rund 2,6 Tore weniger kassiert als erwartet. Auch ohne diesen Bonus bleibt Arsenal Erster.
- Chelsea: 16 Punkte, 11,30 xPTS, +4,7. Das Team erzielte 19 Tore aus 13,46 xG, also gut 5 Tore über Erwartung. Das spricht für starken Abschluss, aber auch für Glück.
- Brighton: 19 Punkte, 15,02 xPTS, +4,0, bei erst 9 Spielen. 24 Tore aus 17,66 xG, dazu nur 7 Gegentore bei 13,30 xG gegen. Beide Seiten der Bilanz liegen über den Chancen.
- Newcastle United: 12 Punkte, 9,00 xPTS, +3,0. Die 16 Gegentore bei 16,83 xG gegen zeigen eine anfällige Abwehr. Platz 11 wirkt geschönt.
Dahinter folgen Manchester City (+2,8) und Everton (+2,7). Bei City ist das unauffällig, weil 21 Tore aus 19,94 xG nah an der Erwartung liegen.
Die Pechvögel
Am anderen Ende stehen Teams, die mehr Chancen herausspielen oder zulassen, als ihre Punkte widerspiegeln:
- Sunderland: 5 Punkte, 12,15 xPTS, -7,2 nach 9 Spielen. Nur 7 Tore aus 13,25 xG, dazu 17 Gegentore bei 15,76 xG gegen. Beide Werte liegen ungünstig.
- Nottingham Forest: 9 Punkte, 15,52 xPTS, -6,5. Das Team erspielte 15,35 xG und ließ nur 11,05 xG zu, schoss aber lediglich 9 Tore. Diese Differenz ist die größte unter den Teams aus der oberen Hälfte der xPTS-Tabelle.
- Fulham: 10 Punkte, 15,29 xPTS, -5,3. Die Chancenbilanz ist mit 14,53 xG zu 13,80 xG gegen leicht positiv, die Tabelle zeigt dagegen Platz 15.
- Bournemouth: 12 Punkte, 16,20 xPTS, -4,2. Mit 15,93 xG zu 10,02 xG gegen hat das Team die zweitbeste Chancendifferenz der Liga hinter Arsenal.
- Manchester United: 7 Punkte, 10,57 xPTS, -3,6. 14,41 xG, aber nur 10 Tore. Dazu kommt Tottenham mit -3,2.
Was das für die kommenden Spieltage heißt
Unsere Einschätzung: Abweichungen dieser Größe halten sich selten. Statistiker nennen das Regression zur Mitte. Extreme Werte, etwa eine ungewöhnlich hohe Torausbeute, pendeln sich mit mehr Spielen in Richtung des Erwartbaren ein. Das gilt für Glück ebenso wie für Pech.
Daraus folgt für Forest, Fulham und Bournemouth, dass ihre Ergebnisse wahrscheinlich besser werden, wenn die Chancenqualität bleibt. Bei Chelsea, Brighton und Newcastle spricht vieles dafür, dass die Punkteausbeute nachlässt. Bei Arsenal fiele der Rückgang weniger ins Gewicht, denn die Mannschaft führt auch nach xPTS mit knapp 2 Punkten Vorsprung auf City.
Sicher ist das nicht. Ein Team kann dauerhaft mehr Tore erzielen, als die Chancen vorgeben, wenn die Spieler besonders sicher abschließen. Nach 9 oder 10 Spielen lässt sich das noch nicht trennen. Bei Sunderland deutet der Abstand von 7,2 Punkten eher auf eine Mischung aus Pech und echter Schwäche. Die Defensivzahlen zählen zu den schwächeren der Liga.
So rechnen wir
Datenquelle ist FotMob, Stand 10. Spieltag (Daten bis 07.11.2026). Die xPTS ergeben sich aus den xG-Werten beider Teams je Spiel: Daraus wird die Wahrscheinlichkeit für Sieg, Remis und Niederlage simuliert und über alle Spiele aufsummiert. Als Abweichung gilt die Differenz aus tatsächlichen Punkten und xPTS. Teams mit 9 Spielen haben eines weniger absolviert als die übrigen, ihre Werte sind entsprechend vorsichtig zu lesen.





