Harry Kane hat den Ballon d’Or gewonnen, und kaum ist der Jubel verklungen, wird über seine Spielweise diskutiert. Jürgen Klopp und Mats Hummels haben laut fcbinside.de kritisiert, dass sich der Bayern-Stürmer häufig weit ins Mittelfeld zurückfallen lässt und dann im gegnerischen Strafraum fehlt. Thomas Müller widerspricht nun in seinem Newsletter „Müller-Mail“ und verweist auf Kanes Bilanz von „73 Tore in 65 Pflichtspielen“.

So liest du die Grafik: Jedes Tortenstück ist ein Wert pro 90 Minuten. Die Zahl im Kästchen ist das Perzentil – 90 heißt: besser als 90 Prozent der Feldspieler der Liga. Rot zeigt den Abschluss (Tore, npxG, Schüsse), Grau die Vorbereitung (Assists, Expected Assists, Key Passes), Gelb die Beteiligung am Spiel (xGChain, xGBuildup).
Was Klopp und Hummels an Kane stört
Der Kern der Kritik: Kane lässt sich nach Ansicht seiner Kritiker zu oft tief fallen. Er holt sich die Bälle weit hinten ab und taucht deshalb nicht immer dort auf, wo ein Mittelstürmer nach klassischer Lesart gebraucht wird, nämlich im Sechzehner. Klopp und Hummels sehen diese Rolle kritisch.
Wörtliche Aussagen von Klopp oder Hummels liegen uns an dieser Stelle nicht vor. Wiedergegeben wird daher nur der Sachverhalt, den fcbinside.de beschreibt. Dass die Debatte ausgerechnet nach der höchsten individuellen Auszeichnung im Weltfußball aufkommt, gibt ihr zusätzliche Wucht.
Müllers Gegenrede in der „Müller-Mail“
Müller meldet sich in seinem Newsletter zu Wort. Er stellt sich klar hinter Kane und sagt laut fcbinside.de, er glaube, dass am Ende „jeder super fein“ damit sei, dass Harry diesen Preis bekommen habe. Die Auszeichnung nennt er „die perfekte Krönung“.
Besonders betont Müller einen Punkt, der in der Debatte um Kanes Rolle wichtig ist: Kane scheue nie die schmutzige Arbeit, obwohl er der Top-Stürmer sei. Damit rückt Müller genau jene Aspekte in den Vordergrund, die in der Kritik an Kanes Tiefe im Spiel untergehen könnten, nämlich Einsatz und Mitarbeit auch abseits der Torabschlüsse.
73 Tore in 65 Spielen: Das Argument der Zahlen
Müllers stärkstes Argument ist die Statistik. 73 Treffer in 65 Pflichtspielen sind eine Quote, die sich nur schwer wegdiskutieren lässt. Wer so konstant trifft, erfüllt die Kernaufgabe eines Stürmers offenbar auch dann, wenn er zwischendurch tiefer steht und das Spiel mitgestaltet.
Die Zahlen beantworten allerdings nicht die Frage, die Klopp und Hummels aufwerfen. Sie zielt weniger auf die Ausbeute als auf die Positionierung: Fehlt Kane in manchen Situationen im Strafraum, obwohl er dort gebraucht würde? Das lässt sich nicht allein an einer Torquote ablesen, sondern nur am konkreten Spielverlauf.
Pikant: Müller hatte Kane nicht auf dem Zettel
Ganz ohne Beigeschmack ist die Verteidigung allerdings nicht. Vor der Gala hatte Müller Kane nach Angaben von fcbinside.de nicht als Favoriten genannt. Zu seinen bevorzugten Kandidaten zählte unter anderem Michael Olise. Nun stellt sich Müller klar hinter die Entscheidung. Das wirkt wie eine Korrektur der eigenen Einschätzung, zumindest wie eine Anerkennung des Ergebnisses.
Auch Kane selbst gibt sich nicht abgehoben. Er nannte sein Spiel gegen Borussia Dortmund „wirklich schlampig“. Wer den Ballon d’Or in der Vitrine hat und trotzdem so offen über eine schwache Partie spricht, bietet Kritikern zwar Angriffsfläche, zeigt aber auch einen hohen eigenen Anspruch.
Blick nach vorn: Mainz als nächste Bewährungsprobe
Die Debatte bekommt am Samstag neues Futter. Dann trifft Bayern auf Mainz, und Kane steht vor der nächsten Bewährungsprobe. Dort wird er sich daran messen lassen müssen, wie präsent er im Strafraum ist und wie er seine Rolle zwischen Aufbau und Abschluss ausfüllt.
Einordnung
Die Kritik an Kanes Rolle ist nicht abwegig: Ein Stürmer, der sich oft fallen lässt, fehlt im Strafraum zwangsläufig manchmal. Doch die Zahlen sprechen aus Sicht von Müller eine klare Sprache, und Kanes Auftritte zeigen einen Spieler, der sich nicht nur auf das Toreschießen beschränkt. Ob die Rolle ein Problem für die Offensive wird, zeigt sich weniger in der Theorie als in den kommenden Spielen.
Solange die Tore fallen, hat Müller die besseren Argumente. Bleiben sie aus, dürfte die Kritik von Klopp und Hummels neuen Rückenwind bekommen. Eines steht schon jetzt fest: Mit dem Ballon d’Or ist die Fallhöhe für Kane gewachsen, und jede Partie wird nun auch daran gemessen, wie er seine Rolle interpretiert. Ein Spiel wie das gegen Dortmund, das Kane selbst „wirklich schlampig“ nannte, wird in dieser Lage genauer betrachtet als früher.
Für die Bayern ist die Debatte dabei nicht nur eine Personalie. Sie berührt die Frage, wie ein modernes Offensivspiel mit einem Mittelstürmer aussehen soll, der sowohl Vollstrecker als auch Ideengeber sein kann. Müller beantwortet sie mit Verweis auf Zahlen und Einsatz, Klopp und Hummels mit dem Blick auf die Positionierung. Beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung, und die kommenden Wochen werden zeigen, welche sich im Alltag der Bundesliga stärker bemerkbar macht.
- FC Bayern: Harry Kane verlängert bis 2029
- Füllkrug vor DFB-Comeback? Klopp soll laut Sky auf ihn setzen
- Klopps DFB-Kader: Unsere 23er-Prognose für Serbien und Niederlande
Quelle: fcbinside.de





